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Arnold Stadler:
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Arnold Stadler
ADVENT UND APOKALYPSE

Zu einem Bild und
VERONICA VON DEGENFELD


In einem schönen Buch, das ich nach Indien mitgenommen hatte, wo ich von Ende Januar
bis Anfang März Anno Domini 2010, ja: lebte, stieß ich auf den Satz:


>Es gibt kein Geheimnis dort,
wo es nicht etwas zu wissen gibt,
das Geheimnis ist da,
wo es ein Mehr zu wissen gibt
als es unserem Verstehen gegeben ist.<
Jacques Maritain

Und ich schrieb dazu: Wunderbar! Bombay, Mariae Lichtmeß 2010.
Das Buch hieß einfach und schlicht: >Veronica von Degenfeld< und hält die Ereignisse und Ergebnisse eines Mal- und Denk- und Findungsprozesses in Bildern fest.
Und auch ich empfand und empfinde, dass dieser Satz von Maritain, der eigentlich der Analogia Entis zu-gedacht ist, auch ein Schlüsselsatz zum Werk der Malerin Veronica von Degenfeld sei. Und dass die Bilder, die ich von Veronica von Degenfeld sah, genau diesem Satz entsprächen. Und dass in großen oder kleinen Formaten jeweils die Größe einer Kunst, welche Geist und Welt, Himmlisches und Irdisches vereint, vergegenwärtigt sei.
Ich dachte, nein: sah, daß dies auch in den meisterlichen Zeichnungen der Künstlerin zum Vorschein käme.
Und dass Geist und Leben und Malen und Arbeiten hier aufs Schönste in eins flössen.

Das ist fast schon alles, was ich sagen kann, denn, ein Bild vergegenwärtigend, können ja Wörter und Sätze leicht zu einer Inflation geraten. Zumal, wenn ein Schriftsteller etwas sagen möchte, wird er sehr vorsichtig sein und wissen, dass ein Bild für sich selbst spricht und eigentlich keiner Ergänzung bedarf. Vielleicht hat der Schriftsteller aber doch den Wunsch einer Übersetzung in seine Sprache; und wie bei allen Übersetzungen, bleibt das Eigentliche zurück und ungesagt.
Da müssen wir uns schon an das Original halten. Und doch:
Ich muß es einfach sagen, wie andere auch, die Arbeiten von Veronica von Degenfeld gesehen haben, wie sehr sie mich zum Aussprechen des Wortes >schön< drängen, ja ermutigen, zu diesem schönen alten Wort, das doch aus dem Kunst- wie Lebensvokabular verbannt zu sein scheint und im Besteck eines Kritikers nicht mehr vorkommt.
Meine Augen genügten mir, zu sagen, wie sehr ein einziges Bild von Veronica von Degenfeld, das verworfene Wort >schön< zu rehabilitieren, ja zu retten vermag.
Meine Sätze sind alle an diesem Bild entlanggeschrieben. Und an meiner Erinnerung, die Bilder, die ich sah, vor Augen.
Es ist ein lichthaftes Bild, kreisend um jenes größte Geheimnis, das im Titel des Bildes zur Sprache kommt. Es heißt: La Vastitude de Dieu ( 170x300 cm Öl auf Leinwand)
Dieses Geheimnis wird hier sichtbar gemacht, ja, kommt zum Vorschein.
Es wäre ja kein Geheimnis, sondern ein Rätsel, könnte es gelöst werden. Das wäre dann eine Banalität, wie alles zu Lösende, wenn es gelöst ist, ein Kreuzworträtsel, zum Beispiel.
Dieses Geheimnis jedoch, auf das hier in den leuchtendsten Farben und grundsätzlichsten Formen und Zeichen (>das Runde<), zum Beispiel, bleibt, was es ist: Geheimnis. Und ein Widerschein.

Sätze sind eigentlich Bestätigungen, Empfangsbestätigungen, wie bei der Post.
Daß etwas angekommen ist. Und wie! - Und Bilder sind es auch.
Aber keine Vereinnahmungen! Danksagungen sind es auch.
Jedenfalls fiel mir bei >La Vastitude de Dieu< dieses Wort ein.
Aber wie genau? An sich genügen zwei Augen.
Zuerst fiel mir das Wort >leuchtend< ein. Dann das Wort >da<. Und - diese beiden Wörter vereinend: >Ja<.
Beides reimt sich.
Es ist ein einziges Ja-Sagen. Als reimte sich alles auf Ja. Und eine einzige Freude. Auch für mich. Denn in der Malerei, und auch in den Büchern, auch meinen eigenen, ist der Schmerz die Hauptperson, gibt es einen >Neigungswinkel zum Verstummen<. Und das Hauptereignis, Pfingsten, die Inspiration, das Fest?
Hier kann ich das Verlorengeglaubte wieder sehen. Und wie es im Psalm heißt: Du hast mir die schwarzen Kleider ausgezogen. Die Welt leuchtet wieder, und so wird sie hier gemalt und gezeigt.

Wir müssen doch davon Zeugnis geben. Das ist der Gabe geschuldet, die wir mitbekommen haben, unserer sogenannten Begabung, in diesem Fall: einzustimmen mit allen Farben und Formen in den Jubel darüber, dass es etwas gibt und dass wir etwas geschenkt bekommen haben. Als wären wir Amseln, die singen können, - oder schreiben oder malen. Und die nicht wüssten, warum, wenn sie es nicht wüssten, woher.
Dieses Bild ist auch eine Erinnerung daran, und eine Einladung, sich zu freuen:
>Ich will dem Herrn singen und spielen, ein Leben lang.
Möge Ihm mein Lied gefallen. <
So heißt es im Buch der Psalmen, und ich empfinde, nein: sehe, dass die Malerin auf diesem Weg ist, und von daher im Leben steht und auf ihre Weise antwortet, indem sie, zum Beispiel ein solches Bild gemalt hat. Es ist keine Vereinnahmung des Göttlichen, sondern eine Vergegenwärtigung, wohl wissend, dass das göttliche Geheimnis größer ist als alles, was gemalt und gesagt werden kann.
***

So wie jene einzelnen Bäume, die in der Erde wurzeln und dem Himmel entgegenwachsen, hat auch diese Künstlerin mitten in der Lichtung eines Waldes einen Lebensraum: ihr Atelier.
Es wäre auch ein wunderbarer Ort zum Schreiben, wenigstens für einen Schriftsteller, der es nicht scheut, mit der Welt der Natur konfrontiert zu werden, auf ihre Stille zu hören. Mit ihren Jahreszeiten und ihrem Himmel zu leben. Mag sein, dass ab und zu ein Traktor oder ein Geländewagen vorbeiführe.
Ein Schuß könnte auch zu hören sein. Aber nur zu Zeiten der Jagd.
Das ist irgendwo im Herzen Schwabens, zugleich auch in der Welt, mitten auf der Welt.
In der Mitte, das ist die genaueste Angabe, die ich machen kann, im Zentrum, und nicht irgendwo am Rand. Die Mitte ist da, wo die Künstlerin sich an die Arbeit macht, und das Malen selbst als Übung versteht, als ein Weitermalen, in das Himmlisches und die Farben der Erde einfließt.
Meditieren, ja Beten kann Malen sein. Oder soll ich es auch so sagen: Daß auch Malen eine Weise des Betens ist? Oder die Fortsetzung des Betens mit anderen Mitteln?
Da steht sie also und malt. Erwartungsvoll. Auf Leinwände, die manchmal größer sind als sie. Und schon hier zeigt sich, dass man differenzieren muß. Schon das Wort >groß< hat im Kleinen ganz unterschiedliche Bedeutung.
***

Advent und Apokalypse

Während Advent in unseren Augen und Ohren immer noch etwas mit der großen Hoffnung zu tun hat, wurde das Wort Apokalypse in unserer Zeit, die vor allem durch den Bilderrausch bestimmt ist, durch das Kino und Fernsehen der Mainstream-Gesellschaft von heute in seiner Bedeutung umfunktioniert..
Sehr wohl von der ursprünglichen Vorstellung von Apokalypse, dem letzten Buch des Neuen Testaments herkommend, aber -wie die Welt auch- beraubt ihrer geistigen Dimension, säkularisiert, verweltlicht. Und so ist >Apokalypse< in der heutigen Zeit nichts anderes als eine Folge von Schreckensbildern und Alpträumen, die Zukunft unserer Außenwelt betreffend, veroberflächtlicht nach außen auf die Bildschirme gespült.
Sodaß wir, wenn wir dabei bleiben, nur noch die Oberfläche haben von etwas und sonst nichts mehr.
Mit der wahren Apokalypse verhält es sich aber ganz anders: Im Buch der Apokalypse, das ein Trostbuch ist, welches am Ende der gesamten Heiligen Schrift steht, wie sie die Christen, die das Evangelium, die Frohe Botschaft glauben, enden die Visionen und Auditionen, die Johannes empfangen und vernommen hat, mit einem zuversichtlich-universalen, großen Ja.
>Ja, ich komme bald - Amen. Komm, Herr Jesus! - Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen.<
Und am Anfang hieß es:> ginou pistos achri tou thanatou, kai doso soi ton stephanon tes zoes: Sei getreu bis in den Tod, und ich werde dir die Krone des Lebens geben.<

So ist also der Mensch auf einem Weg, ausgerichtet auf ein Ziel, lebt zwischen Advent und Apokalypse. Manchmal bang, aber von einer adventlichen Hoffnung. Erwartungsvoll.
Lebend in der jeweiligen Tlipsis (Bedrängnis) seiner Zeit, denen schon die konkreten Menschen und Gemeinden in Kleinasien ausgesetzt waren. Die Tlipsis wird aber durch Hypomone (Durchhalten) gemeistert und mündet im letzten Wort - JA des Buches.

Die Apokalypse ist kein Hollywoodfilm, auch wenn die meisten User im Net zuerst darauf stoßen mögen, ist kein Untergangsszenario, sondern geradezu das Gegenteil:
die den Menschen gegebene trostreiche Zusage, dass es nicht aus ist, wenn alles aus ist, wenn es mit der vorläufigen Welt zu Ende ist.
So viel zum Buch der Apokalypse.
Und was hat das alles mit den Bildern zu tun?
Das Malen und Weitermalen ist eine schöne, lebenslängliche Aufgabe, die diese Künstlerin meistert, und gipfelt auch in einem Ja. So gesehen verleiht diese Arbeit der Zuversicht ein Gesicht und einen Ausdruck, dass schließlich nicht Nein, das Hauptwort des Bösen-- das letzte Wort ist, sondern Ja. --- Das letzte Bild der bilderreichen Apokalypse, welche die Maler vergangener, großer Zeiten anregte, wie kaum ein anderes Buch, ist ja eine Umsetzung des Wortes >Ja<.
Und so sind die Bilder von Veronica von Degenfeld, sie kommen meinen Augen entgegen, sprechen zu mir, und was ich höre und sehe, ist ein einziges großes >Ja<.
Die Parallele zu dem heutigen Leben ist offenbar.
Schön, dieses fast ungültig gewordene, umgelogene Wort, ist das begleitende Hauptwort, das mir zu diesen Bildern einfällt.

Veronica von Degenfelds Bilder sind in dieser währenden Tradtion des menschlichen Ja-Sagens verankert und leben und blühen von da in allen Farben, die noch ein Geschenk des Himmels und seines Lichts sind, und nicht irgendeines.
Sie vermag uns mit der Freude auszustatten, in der auch immer eine Vorfreude enthalten ist - und das Glück des währenden Gewesenen.
Die kunstkritischen Kampfbegriffe von >abstrakt< und >gegenständlich< verlieren ihren Sinn im Blick auf diese Bilder. >Konkret< würde ich sagen.
Und: >Vergegenwärtigung<. Auch Vergegenwärtigung des Geheimnisses, das wir wohl erkennen, aber nicht vereinnahmen können. Es hat uns, nicht umgekehrt.

Summa:
Ein großes Ja-Sagen ist da am Werk, war es, auch ein lobendes Nachzeichnen und Vergegenwärtigen des unauslotbaren, immer wieder zum Vorschein kommenden Geheimnisses von so etwas Einmaligem wie der Schöpfung Gottes, ein für alle Mal.
Von Anfang bis Ende.
Ja, diese Bilder sind ein Joint Venture aus Advent und Apokalypse.
Und auch ich möchte dieser Künstlerin danken dafür, dass sie mir gezeigt hat, wie schön es sein kann und ist, Ja zu sagen.

Ja

Aber vielleicht war die Liebe selbst nichts anderes als dies:
das Warten auf die Liebe.
> Ja. Komm Jesus. Komm bald <

Ich glaube, also bin ich.
Ich hoffe, also bin ich.
Ich liebe, also bin ich.

Ich sage ja, also bin ich.
Ich male, also bin ich.

Finis

Elmar Zorn
Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste, Salzburg 1997


Was können uns Künstler noch sagen und noch zeigen, was nicht schon längst gesagt und gezeigt wurde im Laufe der Kunstgeschichte ? Doch das Wunder ereignet sich immer wieder non neuem: Ein guter Künstler, einer, der seine ganze schöpferische Kraft aufwendet, weil er seine Visionen in Formen, Farben, Figuren ausdrücken will und muss, wird dem schier unendlichen Schatz gestalterischer Möglichkeiten eine spannende neue Variante hinzufügen, gleich in welcher künstlerischen Sprache, dies geschieht, traditionell oder avantgardistisch.

Veronica v. Degenfelds Malerei begeistert den Betrachter auf den ersten Blick durch die herrliche Frische und Glut der Farben ihrer landschaftlich geprägten Motive: intensivstes Rot, Rosa und Grün und celestisches Weiss und Blau, wie wir es in der Gegenwartsmalerei so nicht finden. Man muss auf Maler wie Emil Nolde einerseits und Tiepolo andererseits zurückblicken, um solche Unverkrampftheit und Fröhlichkeit im Umgang mit der Farbe zu finden. Auf den zweiten Blick stutzen wir und entdecken bei der Betrachtung der Bilder merkwürdige Formationen. Aus Wolken, Hainen, Sträuchern haben sich kaum kenntlich Figuren - besser: Ahnungen von Figuren - formieren lassen, die dann doch mit einem einzigen Pinselstrich getroffen sind , so wie der Schattenriss oder das Scherenschnittprofil oft bezeichnender für das Ganze steht als die volle Ausführung.

Solch virtuos arrangierte Erscheinungen erinnern an vergleichbare Phänomene in der Kunstgeschichte : in Anamorphosen, in Perspektivespielereien des Manierismus und den trompe l'oeil, den Wahrnehmungsspielen des Barock und des Rokoko.

Doch während diese sich im Erkennen auflösen, bleiben Veronica v. Degenfelds Bilder rätselhaft. Sie sind - bei aller Leichtigkeit der Anmutung - geheimnisvolle Botschaften, die verschlüsselte Bedeutungen in sich bergen und bewahren. Lediglich den Andeutungen in den Umrissen entnimmt das ikongrafisch geschulte Auge, dass es sich um biblische Gestalten, um anzitierte Motive, wie das von Maria Magdalena und dem Auferstandenen, handeln könnte. Die Titel der Bilder bestätigen solche Vermutungen, ohne sie dadurch aufzulösen. Die Verfahrensweise ist also nicht die einer Allegorie - ein Bild steht für einen festen, bekannten Sinn - sondern Bleibt eine poetische, eigengesetzliche, auch wenn sie sich in den Dienst einer religiösen Botschaft stellt. Es geht der Künstlerin nicht um Erbauung, sondern um Wiedergewinnung des Geheimnisses.

Dies verdient bemerkt und festgehalten zu werden, da die religiöse Kunst unserer Tage darunter leidet, dass sie entweder in ihren Kunstmitteln und ihrem Ausdruck Beschränkt und klischeehaft ist oder zu didaktisch und gut gemeint. Auch gute Kunst, in eine kirchliche Umgebung gestellt, ist keine religiöse Kunst, wenn sie sich nicht thematisch auseinandersetzt, wie dies in der in der Malerei von Veronica v. Degenfeld geschieht. Der Betrachter ihrer Bilder wird - und das ist die Suggestion ihrer Kunst - eingeführt in eine Vergegenwärtigung, anders ausgedrückt, in eine Verortung, in der zwei Welten zur Deckung gebracht sind: die der Natur und die des Glaubens. Der immer wieder in ihren Werken imaginierte Garten ist der Garten Eden, der Handlungsplatz der Suche Gottes nach dem Menschen " Wo bist du, Adam " und der Ort der Begegnungen mit der Heilsgeschichte. Der Betrachter darf in völliger Freiheit, ohne mahnenden Zeigefinger, in den sinnlichen Schönheiten der Bildkomposition verweilen, darf im Garten der Farben spazieren gehen, freilich aber auch über die rätselhaften Hinweise und Botschaften in den angedeuteten Figuren und Konstellationen sinnieren. In jedem Fall werden es Meditationen sein, wozu die Bilderwelt der Künstlerin ihn einlädt: Meditationen nicht über den Schöpfer des Bildes, seine Befindlichkeit und seine Weltsicht, wie dies sonst in dem zumeist selbstreferentiellen Kunstgeschehen mit dem Künstler in der Rolle des sich problematisierenden Aussageträgers abläuft, jedoch auch nicht nur und unverbindlich über die Schönheit der natur, dargestellt in der Schönheit der Kunst. Degenfelds Bilder sind nicht dekorativ, nicht behübschend gemeint. Sie lenken vielmehr, und dies in müheloser Selbstverständlichkeit, auf eine neue Einheit: Die Welt der Ästhetik, des schönen Scheins, der Oberfläche, ist verbunden mit der Welt der Transzendenz von Denken und der Tiefenstruktur des Glaubens, des Sinnerforschens. Solche Einheit als wahrnehmbar zu postulieren und darstellen zu wollen - das hat schon seit langem kein Künstler mehr im Medium der Malerei versucht, noch dazu auf eine dem Publikum durch die Wahl der mittel leicht zugängliche Weise. Veronica von Degenfeld versteht es meisterlich, zugleich zu führen (Glaubenskraft) und zu verführen (Kunstschönheit ).


Elmar Zorn
Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste, Salzburg 1997
La nécessité de peindre

C´était à Champrosait dans cette belle maison qu´on peut encore voir dans la forêt de Sénart ; Delacroix s´écriait en ouvrant la fenêtre un matin de juin : " Il n´y a rien à peindre ". L´entrelacé continu des branches et des feuilles, ce tissage végétal, signe de la compétition des éléments vivants à la recherche de la lumière, constitue l´une des plus belles provocations de la nature visible pour le peintre devant une beauté évidente et indéfinie. Là ou n´apparaît ni dessin ni contraste l`artiste des surfaces colorées se demande si le sentiment qu´il éprouve peut s´exprimer à l´aide des moyen dont il dispose. Il en vient à penser que la ressemblance s´applique à plusieurs analyses.
Reconnaître dans l´œuvre d´art les objets visibles est une preuve de conformité, mais en montrer les causes ne s´en écarte pas. Un bateau flottant illustre une particularité du réel, mais l´énoncé d´Archimède en témoigne aussi. Quel est le plus ressemblant ? Quel moment de l´histoire d´un phénomène convient le mieux pour sa représentation picturale ? Quel niveau d´analyse faut-il adopter?
C´est la question que se pose Vinci, le problème que se pose Delacroix et voilà que Veronica von Degenfeld l´aborde de front. L´abstraction n´est pas au pouvoir de l´artiste, quelque gribouillage informe qu´il produise- il se trouvera toujours quelqu´un pour voir ce que ça représente-la signification est aussi le produit du regard de l´autre. Entre Paul Klee et Fra Angelico l´émerveillement s´épure en renonçant à la " citation ", s´enrichit de la complexité des causes, trouve dans la partition de la surface matière à s´exprimer.
Si ces choses, dites " l´imitation " (l´imitation de Jésus Christ), étaient raisonnables, elles cesseraient d´être ineffables.
Les réseaux entrecroisés de l´univers des jardins présentent un caractère avec l´eau-delà de tout : ils résistent à toute description. La voie que l´on trouvera pour le signifier doit ressembler à celle des mystiques-Ste Thérèse est son professeur de peinture et elle a bien raison-Veronica cherche la beauté comme on cherche Dieu : " à tâtons ". Elle tâtonne avec de l´outremer et découvre que c´était le ciel découpé par les feuilles.
Partant de là, le peintre des jardin invente un ordre artificiel dont elle donne les règles auxquelles elle s´empressera de se soumettre. Elle sait bien que ce qu´elle croit ordonner est le reflet de l´organisation de son être et qu´elle rend ainsi hommage à son créateur. Elle choisit comme modèle les lois de l´observation et conclut à la nécessité de la série causale. L´artiste en inventant sa propre règle (comme on dit des fondateurs d´ordres monastiques) se soumet à l´ordre de son Créateur.
Plus il est libre, plus il est fidèle- le réalisme est à la peinture ce que les citations sont au texte- il faut choisir : reproduire ou inventer un mécanisme calqué sur l´ordre des choses. Le talent dans tout cela est comparable au corps étranger qui provoque dans le coquillage ce kyste merveilleux: une perle. Le talent est cette douleur féconde pour l´artiste : de ne pas rassasier son œil de ce qu´il voit.
Au jeu des équivalences, la peinture de Veronica me rappelle la musique de Messiaen. On sait que de vrais chants d`oiseaux se mêlent à l´artifice des instruments dans cette œuvre si haute qu´elle n´interrompt pas la prière de celui qui l´écoute. Peut-être un jour, à force de nécessité, y aura-t-il de vrais pétales de fleurs dans un tableau de Veronica von Degenfeld.

Philippe Lejeune
The need to paint

It was in Champrosay, in the forest of Senart, in that beautiful house which one can still see today, that Delacroix opened the window one June morning and exclaimed, " Nothing to paint !" The endless tangle of branches and leaves, the weaving of plants, evidence of the competition of living things searching for light, is for the painter -faced with a loveliness which is both apparent and indefinable - one of the most beautiful challenges of visible nature. Where there is neither pattern nor contrast, the artist, the crafter of coloured surfaces, questions whether it is at all possible to express her feelings with the means at her disposal. This leads her further to reflect that resemblance can be analysed in more than one way.

Making visible objects recognisable in a work of art is one way of showing resemblance, showing their causes is another. A floating ship shows us one aspect of reality, but so does Archimedes´principle. Which is the better resemblance ? In the history of any object, which moment is the best to represent it pictorially ? What level of analysis should one choose ?

This is the question that both Leonardo Da Vinci and Delacroix asked themselves, and here Veronica von Degenfeld tackels it head on. Abstraction is not under the control of the artist ; whatever loosely drawn works they produce - there is always someone who will see what it represents - the meaning is also the product of the viewer. Between Paul Klee and Fra Angelico the amazement becomes purer as the `quotation of reality ´is renounced. This amazement is enriched through the complexity of origins, finds in the musical score of the surface a way to express itself.

If these things, called `imitation´( as in the Imitation of Jesus Christ ) were rational, they would no longer be inexpressible and wonderful.

This criss-crossed network of the world of gardens demonstrates a shared characteristic with the Hereafter. It resists all description. The way one finds to explain it must be similar to that of the mystics. Saint Theresa is Veronica´s painting teacher and for a good reason - Veronica seeks beauty as one seeks God, `feeling her way along´. She feels with the ultramarine and discovers that it is heaven etched out between the leaves.

From here, this painter invents an artificial order of things in which she both creates the rules and is keen to submit herself to them. She knows well that her created order is a reflection of her own beeing and that this is how she honours her Creator. She chooses as her model the laws of observation and concludes with the necessity of cause and effect. By inventing her own rules she submits herself to her Creator´s order.

The free the artist is, the more faithful she is - realism in painting is like quotations in a text - one must choose either to represent, or to invent a way that traces the order things. The talent In all this can be compared to the foreign body that provokes that marvelous nugget within a mollusk, a pearl. For the artist, talent is this fruitful suffering, never to be satisfied with what the eye perceives.

While we are making comparisons, Veronica´s painting reminds me of Messiaen´s music. Bird songs melt into the noble artistry of the instruments so that the music does not disturb the prayer of the listener. Perhaps one day, it may be necessary to have real flower petals in one of Veronica von Degenfeld´s paintings.

Philippe Lejeune
(translated from the original)
Un art alchimique

C'est à Yquem que, par hasard, j'ai fait la connaissance, il y a quatre ans, de Veronica von Degenfeld. Voulant me rendre à la chapelle du château pour admirer le travail de restauration des peintures murales, je m'étais perdu dans le dédale des galeries. Je suis alors tombé sur l'atelier d'un peintre. Je me souviens être resté interdit pendant plusieurs minutes. Ce qui m'avait attiré d'emblée c'est la vitalité de ces toiles miroitant de feux et de couleurs mais surtout irradiant d'une lumière intérieure. Ces peintures avaient en outre la particularité de s'accorder admirablement à l'air si particulier d'Yquem, une manière tranquille et glorieuse de défier le temps. L'artiste avait surgi derrière un châssis, fragile et énergique, tenant élégamment son pinceau entre ses doigts comme une baguette magique. Ce qui n'avait rien d'étonnant puisque ses toiles sont dotées d'un pouvoir envoûtant et secret de transmutation. Cette puissance peut s'apparenter à l'alchimie. Cette fée-là n'était pas un être imaginaire, elle se mesurait à la matière, à la dureté et à la flexibilité des couleurs avec un bonheur évident car, on l'oublie souvent, si la peinture est une chose mentale, elle est aussi un art de la surface, une manière de prendre le dessus sur une étendue plane, exercice hautement manuel engageant la partie physique et les sensations les plus profondes de l'être. " Je veux faire le portrait d'un millésime d'Yquem ". " Comment peindre un vin ? " m'étais-je étonné. Elle avait rectifié avec douceur : " Non pas illustrer le vin mais le transposer ". Traduire le monde visible de la vigne et du vin, tel est l'objectif que s'est assigné Veronica von Degenfeld. Ce n'est pas un hasard si elle a voulu commencer par le plus mystérieux des vins qui constitue une des plus belles métaphores de l'acte créateur : mourir pour ressusciter. On en revient évidemment à l'alchimie et à son langage symbolique. La pourriture noble est une métamorphose. Elle sublime le raisin et le fait passer de la putréfaction à un état précieux, ranimant la vie dans la mort. En apparence rien de plus facile que de rendre l'or d'un Sauternes qui en vieillissant se nuance de mille reflets ambrés. Mais ce n'est pas le but que s'est donné l'artiste. L'art n'est pas la nature. Face à la réalité, elle recompose. Elle ne se laisse pas absorber par les gestes de la vigne et du vin, elle les transfigure pour nous aider à mieux les comprendre. Dans la Bible, la promesse du vin est signe de bénédiction, image de la richesse, conforme à l'engagement divin. Pour Veronica von Degenfeld, le vin qu'elle a choisi de représenter est moins le symbole du sang du Christ et de son sacrifice que l'expression de sa gloire. Ces notes fraîches, cette vitalité qui éclatent de ses toiles l'éloignent irrémédiablement de tout sentiment doloriste. Comme Bonnard qu'elle admire, Veronica von Degenfeld est le peintre du bonheur et de la volupté de vivre. En ces temps de nihilisme, où le réel est absorbé par le simulacre, elle peint la consistance et la saveur des choses les plus simples et les plus quotidiennes. Aucune ambiguïté perverse dans sa démarche. C'est une joie profonde qui traverse ses toiles au chromatisme éclatant comme si une source lumineuse sortant de sa palette se déversait naturellement devant nous. C'est ce naturel et cette spontanéité qu'il faut saluer. Les yeux émerveillés de Veronica von Degenfeld, s'ils sont confiants, ne sont pas pour autant crédules. Cette symphonie de couleurs aux intonations à la fois secrètes et fruitées sont le résultat d'un métier et d'une maîtrise. Il y a chez elle un côté artisan qui pratique un métier et une technique sans jamais perdre de vue le but qu'elle s'est fixée : traverser, selon le mot de Proust, " le miroir magique de la réalité ". D'où cette peinture palpable, tangible, charnelle qui n'en rend que plus mystérieux et fascinant son art alchimique.

Jean-Paul Kauffmann
Alchimistenkunst

In Yquem lernte ich vor vier Jahren durch einen Zufall Veronica von Degenfeld kennen. Auf dem Wege zur Schlosskapelle, um die Restaurationsarbeiten der Wandmalereien zu bewundern, hatte ich mich im Labyrinth der Flure verlaufen. So stieß ich auf ein Maleratelier. Ich erinnere mich noch, einige Minuten lang sprachlos gewesen zu sein. Was mich auf Anhieb anzog, war die Vitalität dieser Gemälde, die Feuer und Farben sprühten, die vor allem aber ein inneres Licht ausstrahlten. Diese Gemälde hatten zudem die Besonderheit, wunderbar mit der Atmosphäre Yquems zu harmonieren, eine ruhige und herrliche Art, der Zeit zu trotzen. Die Künstlerin war hinter einem Rahmen aufgetaucht, zierlich und energisch, ihren Pinsel anmutig in den Fingern haltend wie einen Zauberstab. Dies verwundert nicht, denn ihre Gemälde besitzen eine geheime magische Verwandlungskraft. Diese Macht kann Züge der Alchimie annehmen. Diese Fee hier war kein imaginäres Wesen; mit offensichtlicher Freude maß sie sich mit der Materie, mit der Härte und Geschmeidigkeit der Farben, denn - dies wird oft vergessen - wenn das Malen eine Aktivität des Geistes ist, so ist sie doch auch eine Kunst der Oberfläche, eine Art und Weise, die Oberhand über eine ebene Fläche zu gewinnen, eine höchst praktische Tätigkeit, welche die physische Seite und die tiefsten Empfindungen des Wesens beansprucht. "Ich will das Porträt eines Yquem - Jahrgangs malen." "Wie malt man einen Wein?" hatte ich erstaunt gefragt. Sanft hatte sie richtiggestellt: "Nicht abbilden, sondern transponieren." Die sichtbare Welt des Weinbergs und des Weins zu übertragen, das ist das Ziel, welches sich Veronica von Degenfeld gesetzt hat. Nicht zufällig hat sie mit dem geheimnisvollsten der Weine beginnen wollen, der eine der schönsten Metaphern des Schöpfungsaktes darstellt: Sterben um aufzuerstehen. Ganz selbstverständlich kehrt man wieder zur Alchimie und ihrer Symbolsprache zurück. Die Edelfäule ist eine Metamorphose. Sie veredelt die Traube und überführt sie aus der Verwesung in einen kostbaren Zustand, indem sie das Leben im Tod neu entfacht. Scheinbar ist nichts leichter als das Gold eines Sauternes wiederzugeben, der sich beim Altern in tausenderlei Bernsteintöne differenziert. Doch nicht dies hat sich die Künstlerin zum Ziel gesetzt. Kunst ist nicht Natur. Angesichts der Wirklichkeit gestaltet sie neu. Sie lässt sich nicht gefangen nehmen von den Gesten des Weinbergs und des Weines; sie verklärt sie, um uns zu helfen, sie besser zu verstehen. In der Bibel ist die Verheißung des Weines Zeichen des Segens, Bild des Reichtums, Übereinstimmung mit dem Engagement Gottes. Für Veronica von Degenfeld ist der Wein, den sie darstellen möchte, nicht so sehr Symbol für das Blut Christi und seines Opfers als vielmehr Ausdruck seiner Herrlichkeit. Diese frischen Töne, diese Vitalität, die ihren Bildern entspringen, halten sie endgültig von jeder Verherrlichung von Schmerz fern. Wie Pierre Bonnard, den sie bewundert, ist Veronica von Degenfeld Malerin des Glücks und der Lebenslust. In dieser Zeit des Nihilismus, in der die Wirklichkeit absorbiert wird durch den Schein, malt sie die Beschaffenheit und die Würze der einfachsten und alltäglichsten Dinge. Keinerlei anrüchige Mehrdeutigkeit liegt in ihrem Vorhaben. Eine tiefe Freude durchzieht ihre in leuchtenden Farben gehaltenen Bilder, als ergieße sich eine ihrer Palette entspringende lichtvolle Quelle ganz natürlich vor unseren Augen. Diese Natürlichkeit und Spontaneität müssen gewürdigt werden. Die begeisterten Augen Veronicas von Degenfeld sind vertrauensvoll ohne jedoch leichtgläubig zu sein. Diese Symphonie der Farben in zugleich diskreten und aromatischen Tönen ist das Ergebnis eines Berufes und einer Meisterschaft. Bei ihr findet sich eine Seite, die einen Beruf und eine Technik ausübt ohne jemals das Ziel aus den Augen zu verlieren, das sie sich gesetzt hat: "den Zauberspiegel der Wirklichkeit zu durchschreiten", wie Proust formuliert. Daher diese greifbare und berührbare Malerei von Fleisch und Blut, die ihre Alchimistenkunst nur noch geheimnisvoller macht.

Jean-Paul Kauffmann